Draussen vor der Tür

Parktheater Bensheim (Georg-Stolle-Platz 5, 64625 Bensheim)

Schreiender Mann vor Trümmer Kulisse mit Schriftzug Draussen vor der Tür
Bild: ©Neues Globe Theater Potsdam

Wolfgang Borcherts Anti-Kriegs-Drama in einer bewegenden Neuinszenierung Ein Mann kommt aus dem Krieg zurück – und findet keinen Platz mehr im Leben. Beckmann heißt er – aber niemand nennt ihn mehr beim Vornamen. Als hätte man ihm mit dem Namen auch das Ich genommen. Die Gesellschaft, der er diente, wendet sich ab. Was bleibt, ist das Stehen vor verschlossenen Türen. Draußen – vor der Welt, vor der Zukunft. Beckmann ist 25, kommt aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück in das zerbombte Hamburg. Gezeichnet an Körper und Seele: das Knie zerschossen, die Gasmaskenbrille haftet ihm wie ein Fremdkörper im Gesicht – ein ständiges Zeichen der Entmenschlichung. Doch statt Rückhalt oder Verständnis findet er nur Ablehnung: Die Frau hat ihn verlassen, der Oberst weist jede Verantwortung von sich, das Mädchen, das ihn vor dem Ertrinken rettet, will nichts von seinem Leid wissen. In einer traumähnlichen Wanderung begegnet Beckmann nicht nur Menschen, sondern auch überhöhten Figuren: dem Tod, der Elbe, Gott – und dem Anderen, einer gespiegelten Version seiner selbst. Dabei öffnet sich eine vielschichtige theatrale Welt zwischen Realismus, Groteske und Lyrik – voller Sprachkraft, Widerstand und existenzieller Tiefe. Wolfgang Borcherts einziges Theaterstück ist mehr als ein Klassiker der Nachkriegsliteratur: „Draußen vor der Tür“ ist ein poetischer Aufschrei gegen das Verstummen, gegen das Wegsehen, gegen das Verdrängen. Geschrieben 1947, wenige Monate vor Borcherts frühem Tod, ist dieses Stück heute aktueller denn je. Und ein Weckruf. In einer Zeit, in der Fragen nach Kriegstauglichkeit, Wehrpflicht und Pazifismus wieder laut gestellt werden, trifft Beckmanns verzweifelte Suche nach Sinn und Menschlichkeit ins Mark. Gerade junge Menschen erleben hier keine bloße Geschichtsstunde, sondern eine emotionale Auseinandersetzung mit Verantwortung, Schuld und der Sehnsucht nach Frieden. Das Neue Globe Theater bringt Borcherts Drama mit großer Klarheit, sprachlicher Intensität und emotionaler Unmittelbarkeit auf die Bühne: als kluges, forderndes Werk über die existenziellen Folgen von Krieg, das generationsübergreifend bewegt und zur Diskussion anregt – und das sich als gesellschaftlich relevantes, ästhetisch starkes Statement in jedem anspruchsvollen Spielplan positionieren lässt.

Bild: ©Neues Globe Theater Potsdam

Veranstalter: Stadtkultur Bensheim
Veranstaltungsort: Parktheater

Dauer
Ca. 100 Minuten mit Pause

Mit: Andreas Erfurth, Moritz Gehrckens, Leonard Göpfert, Rosemarie Klinkhammer, Anja Lemmermann, Marco Litta & Laurenz Wiegend sowie Tilman Ritter an den Instrumenten

Regie und Bearbeitung: Kai Frederic Schrickel

Ausstattung: Hannah Hamburger

Musik: Tilman Ritter

Technik: Max Weber

Plakat: Annette Conradt

Eine Produktion des Neuen Globe Theaters Potsdam

 

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